Grundschule

Grundschule vom 01. 08. 1990 bis 1995

Die gute Akzeptanz von Dirk im Kindergarten hat uns ermuntert zu versuchen, ob Dirk in die Regelschule gehen kann. Hinzu kam ein neues Gesetz im Saarland, daß die Integration der Behinderten in die Schule und den Kindergarten fördert. Leider ist dies Gesetz sehr diffus gehalten, so daß alles eine „Auslegungssache“ des zuständigen Beamten ist. Doch im Schulrat Herrn Ames und Frau Backes der neuen Rektorin der Grundschule in Niederlinxweiler, die gleichzeitig Dirks Klassenlehrerin war, fanden wir sehr gute Fürsprecher.

Eine Sonderschullehrerin testete Dirk 2 mal 4 Stunden auf seine Intelligenz. Beim dem ersten Mal war ich dabei. Ihr schriftliches Urteil war: Dirk hat einen IQ von 123 und muss auf das Gymnasium und anschließend studieren. Was mich und meine Frau so ärgert ist die Tatsache, dass Kinder die Laufen können – aber sonst verhaltensgestört sind, wie z. B. das sprachgestörte Kind aus dem Kindergarten – problemlos in die Regelschule kommen, obwohl sie besser in eine auf ihr Problem ausgerichtete Schule gehen würden.

Am 10. 4. 1991 wurde für Dirk ein Förderausschuß gegründet.
Teilnehmer: die Eltern, die Klassenlehrerin und eine Lehrperson der Sonderschule Homburg.
Alle stimmten für die Integration von Dirk in die Regelschule. Er sollte auf Grund seiner „intellektuellen überdurchschnittlichen Begabung lernzielgleich wie die normalen Schüler unterrichtet werden“. Wir mussten nun festlegen, welche Maßnahmen zu treffen sind, damit Dirk in die Schule gehen kann.

Um die fein- und handmotorischen Funktionen von Dirk optimal zu fördern, benötigt er eine sonderpädagogische Betreuung (sprich eine Lehrperson ist zusätzlich im Unterricht von Nöten). Der Bedarf wird auf 6 Wochenstunden incl. Turnen angesetzt. Im Vorfeld musste erst der Eingangsbereich und die Toiletten der Schule behinderten- und rollstuhlgerecht umgebaut werden. Hierbei machte unser Bürgermeister der Stadt St. Wendel Herr Klaus Bouillon keinerlei Schwierigkeiten, sondern half im Gegenteil vollkommen unbürokratisch. Der Klassenraum machte keine Probleme, da Dirk nur alle 4 Schuljahre im Erdgeschoß an einem normalen Tisch unterrichtet wurde. Seine Mitschüler und -schülerinnen halfen Dirk beim An- und Ausziehen der Jacke und reintragen seines Ranzen. Auf die Toilette wurde Dirk von der Klassenlehrerin Frau Backes gesetzt. In der Toilette wurde ein kleiner Tische aufgestellt, damit Dirk hingelegt werden konnte zum aus- und anziehen. Es musste der Transport mit einem Taxiunternehmen von uns geklärt werden. Die Kosten dafür über nahm das Sozialamt der Stadt St. Wendel ohne Probleme. Am ersten Schultag, nach wochenlangen Vorbereitungen, war alles parat.

Nun konnte Dirk endlich in die Schule gehen! Da er die meisten Kinder vom Kindergarten her kannte, war das Ganze ein fließender Übergang für ihn. Auch die Lehrerin Frau Backes versuchte es ihm so leicht wie möglich zu machen. Die Sonderschullehrerin benötigte Dirk nicht. Dies merkte sie sehr schnell und half dafür den anderen lernschwachen Kindern. Nach etwa 2 Jahren wurde ein anderes behindertes Kind in der Grundschule Oberlinxweiler so krank, daß es mehr Stunden benötigte. Mit unserem Einverständnis und dem der Klassenlehrerin konnte die Sonderschullehrerin unsere 4 Wochenstunden von Dirk dort sofort aushelfen. Leider verstarb das Kind später. Der Turnunterricht für Dirk entfiel leider, da der Transport zur ca. 2 KM entfernten Turnhalle der Klassenlehrerin zu gefährlich war.

Bei Klassenausflügen begleitete meist meine Frau oder ich Dirk. Dirk war in der Grundschule als „Dirk“ und nicht als „Behinderter“ oder „Rollstuhlfahrer“ oder „Krüppel“ angesehen. Im Gegenteil, die Klassenkameraden verteidigten ihn. Es gab natürlich auch Reibereien zwischen Dirk und Mitschülern. Aber dies ist normal und hielt sich auch im normalen Rahmen. Seit dem 16. 8. 1994 hat die Firma Stoll aus St. Wendel den Transport von Dirk übernommen. Sie transportiert ihn im Rollstuhl sitzend in einem behindertengerechten Fahrzeug.

1995 beendete Dirk die Grundschule erfolgreich.

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